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BStuF SoSe 2018

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Hier können Sie den Beck'schen Studienführer Jura (SoSe 2018) lesen - mit vielen hilfreichen Tipps zum Jurastudium.

Beitrag | Tipps für die

Beitrag | Tipps für die Fachsprachenausbildung (FFA) Tipps für die Fachsprachenausbildung (FFA) | Beitrag 16 17 Die „Fachspezifische Fremdsprachenausbildung“ für Juristinnen und Juristen „Wer heute Jurist wird, kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass Deutsch als Arbeitssprache reicht.“ Von Gerlind Wolf Gerlind Wolf studiert derzeit im 8. Semester (seit WiSe 2013) Jura an der LMU München und arbeitet begleitend als Werkstudentin in einer Wirtschaftskanzlei. Die Sprachenausbildung hat sie im Zeitraum von 2015 bis 2016 absolviert. Als ich das erste Mal von der Fachsprachenausbildung hörte, saß ich mit etwa 900 anderen Erstsemestern im Audimax der Universität. Wir hörten die Einführungsveranstaltung und bekamen die ganze Palette möglicher Zusatzqualifikationen vorgestellt, die unsere Universität zu bieten hatte. Zu diesem Zeitpunkt verstand ich kaum, was eine „FFA“ – also die fachspezifische Fremdsprachenausbildung – beinhaltete und noch viel weniger, welchen Nutzen sie hatte. Zu technisch war der Vortrag, in dem es um § 24 und § 37 JAPO und um die Verlängerung eines Freischusses ging, der noch sehr weit weg war. Heute weiß ich, was man mir damals so umständlich erklären wollte: Wer heute Jurist wird, kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass Deutsch als Arbeitssprache reicht und wer sich auf das erste Staatsexamen vorbereitet, ist um jeden Monat weiterer Vorbereitungszeit dankbar. Aber fangen wir vorne an: Die fachspezifische Fremdsprachenausbildung ist eine studienbegleitende Zusatzqualifikation, die den Erwerb eines Zertifikats zum Nachweis vertiefter Fachsprachenkenntnisse ermöglicht. Das Programm setzt sich dabei aus acht Kursen im Gesamtumfang von 16 Semesterwochenstunden zusammen und kann auf einer, zwei oder sogar drei Sprachen absolviert werden. Das Kursangebot an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), an der ich studiere, erstreckt sich über neun Sprachen von Englisch über Französisch bis Chinesisch und Russisch. Der Umfang des Angebots ist jedoch sehr unterschiedlich. Während es im Englischen ohne weiteres möglich ist, den ganzen Schein bequem nur in dieser Sprache zu absolvieren, gibt es in anderen Sprachen nur ein sehr schmales Angebot, das lediglich als Ergänzung dienen kann. Ich habe meine Fremdsprachenausbildung im vierten Semester begonnen und mich für eine Ausbildung komplett auf Englisch entschieden. Im Laufe der Zeit habe ich dazu sowohl Semesterkurse als auch Blockkurse in der vorlesungsfreien Zeit belegt. An der LMU schließt jeder Kurs mit einer Klausur ab, die vollständig in der jeweiligen Fremdsprache zu verfassen ist und in der Regel aus einer Mischung von Wissens- und Argumentationsfragen besteht. Fallklausuren wie man sie aus dem Hauptstudium kennt, sind sehr selten. Möglich sind auch mündliche Leistungsnachweise. Gute Vorkenntnisse in der jeweiligen Sprache sind also ein Muss. Inhaltlich sind die Kurse dem Namen der Ausbildung nach primär darauf gerichtet, Fachvokabular zu vermitteln, um es den Teilnehmern zu ermöglichen sich auf einer fremden Sprache mit Rechtsfragen auseinander zu setzen. Ein Fachsprachenkurs ist aber weit mehr als ein überdimensionaler Vokabeltest. Schließlich wird der Umgang mit der Sprache im Kontext eingeübt, das heißt, dass ich mich im Rahmen meiner Englischkurse zum Beispiel mit Alternativen Konfliktlösungsmodellen, dem amerikanischen Deliktsrecht oder auch der Strukturie- Bild: © ALDECAstudio – fotolia.com rung eines Compliance-Mechanismus in Unternehmen auseinandergesetzt habe. Gerade für fortgeschrittene Studenten zeigen sich dadurch interessante rechtsvergleichende Aspekte, die auch zu einem besseren Verständnis des deutschen Systems beitragen können. Für jeden, der in einer globalisierten Welt mit seiner Rechtsvorstellung nicht an der eigenen Staatsgrenze stehen bleiben will, ist der inhaltliche Aspekt sicherlich einer der wesentlichen Vorzüge dieser Ausbildung. Positiv fiel mir außerdem auf, dass die Kurse ausschließlich von Muttersprachlern gehalten wurden, die in der Regel auch ihre fachliche Qualifikation in ihrem Heimatland erworben hatten. Wer gibt einem schließlich einen authentischeren Einblick in das amerikanische Rechts- system als ein amerikanischer Anwalt? Außer den Kursen zum ausländischen Recht werden an der LMU auch Kurse aus dem Bereich der Wirtschaft angeboten, die ebenfalls auf den FFA angerechnet werden können. Diese bieten eine interessante Abwechslung in einem Studium, in dem sich mangels Nebenfach selten einen Blick über den Tellerrand der Rechtswissenschaften anbietet. Neben dem Inhalt ist für viele die Aussicht auf die „Freischussverlängerung“ ein Anreiz die Ausbildung zu absolvieren. Was heißt das? Normalerweise hat man zwei Versuche, um das erste Staatsexamen zu bestehen. Der „Freischuss“ ist ein zusätzlicher Versuch, der jedem zusteht, der sich schon nach dem achten Semester in die Prüfungen wagt. Besteht man in diesem Versuch das Examen nicht, kann man anschließend noch regulär an zwei Terminen teilnehmen. Wer einen FFA vorweisen kann, erhält in vielen Bundesländern einen Aufschub um ein Semester, darf also den zusätzlichen „Freischuss“ nach dem neunten Semester schreiben. Mit anderen Worten: sechs Monate mehr Zeit, um sich auf das Examen vorzubereiten. Dieser vermeintlich so große Vorteil bedarf aus meiner Sicht jedoch gewisser Relativierungen. Zunächst einmal steht hinter dieser Verlängerung weniger ein Geschenk, als eine Rechnung. Schließlich investiert man auf ein Semester gerechnet eben auch mindestens 16 Stunden pro Woche reiner Präsenzzeit in die Sprachkurse; Stunden, die von der „normalen“ Studienzeit abgehen. Zweitens geht es hier nur um den Freischuss, also die Möglichkeit, das Examen zu schreiben und es im Falle eines Misserfolgs noch zweimal probieren zu können. Ansonsten steht es nach der derzeitigen Konzeption des Jurastudiums ohnehin jedem frei, sich bis zum Examen so viel Zeit zu nehmen, wie er braucht. Für diejenigen, die sich im Studium Zeit nehmen, lässt sich das Angebot auch gut mit Auslandsemestern kombinieren. Einerseits kann man hier eine sichere Grundlage für ein erfolgreiches Studium auf fremder Sprache legen. Zum anderen ist auch die Anrechnung von Leistungen aus dem Ausland auf den Schein möglich. Insgesamt gibt es natürlich viele Möglichkeiten, um sich Sprachkenntnisse anzueignen. Wer ein Semester im Ausland verbringt oder an einem internationalen Moot Court teilnimmt, setzt sich vielleicht weniger strukturiert aber sicherlich noch deutlich intensiver mit der Sprache auseinander. Nichtsdestotrotz habe ich mich persönlich für den FFA entschieden und kann diesen Weg im Nachhinein durchaus empfehlen. Wichtiger als das „Wie“ ist aus meiner Sicht in diesem Fall aber das „Ob“. Schon wenn man sich während des Studiums an Praktika mit internationalen Bezügen wagt, wird man feststellen, wie sehr die Kenntnisse nutzen und wie hoch sie von potenziellen Arbeitgebern geschätzt werden. Auf internationale Bezüge stößt man dabei heute selbst in klassischen Berufen wie dem des Anwalts schnell. Die Fähigkeit jedenfalls in einer weiteren Sprache – vorzugsweise Englisch – sicher arbeiten zu können, ist hier häufig keine Zusatzqualifikation mehr, sondern eine Voraussetzung. Sicherlich gibt es eine Fülle attraktiver Berufe, die sich ohne jeden Fremdsprachenbezug ausüben lassen, doch wer sich alle Türen offenhalten will, sollte die Chance ergreifen und seine Sprachkenntnisse ausbauen. n www.beck.de Beck‘scher Studienführer Jura Beck‘scher Studienführer Jura